Tankgröße und Regenwasserbedarf berechnen – So findest du die richtige Dimensionierung
Wer eine Regenwasseranlage plant, steht früh vor der entscheidenden Frage: Wie groß muss mein Tank eigentlich sein? Eine zu kleine Zisterne läuft bei Starkregen über und lässt trockene Phasen ungenutzt, ein überdimensionierter Tank kostet unnötig viel Geld und Platz. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Formeln und ein paar Kennzahlen kannst du deinen Regenwasserbedarf und die optimale Tankgröße selbst berechnen – und das weitaus genauer, als du vielleicht denkst.
1. Warum die richtige Tankgröße so wichtig ist
Ein Regenwassertank ist eine Investition, die sich langfristig auszahlen soll. Zu klein dimensioniert, fehlt das gespeicherte Wasser genau dann, wenn du es in Trockenperioden am dringendsten brauchst. Zu groß dimensioniert, bleibt der Tank dauerhaft halb leer – das gebundene Kapital und der Platzbedarf stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Die Berechnung berücksichtigt drei Faktoren, die zusammenspielen müssen:
- Dein tatsächlicher Regenwasserbedarf (Wofür und wie viel Wasser brauchst du?)
- Das Regenwasserangebot (Wie viel Niederschlag fällt auf welche Dachfläche?)
- Die Überbrückungszeit (Wie viele Tage Trockenheit soll der Tank puffern?)
2. Schritt 1: Den eigenen Regenwasserbedarf berechnen
Typische Einsatzbereiche im Haushalt
Regenwasser eignet sich hervorragend für Anwendungen, bei denen kein Trinkwasser notwendig ist:
| Nutzungsbereich | Verbrauch pro Person & Tag |
|---|---|
| Toilettenspülung | ca. 30–40 Liter |
| Waschmaschine | ca. 10–15 Liter |
| Gartenbewässerung | ca. 10–50 Liter (saisonal) |
| Fahrzeugwäsche | gelegentlich, ca. 100–150 Liter pro Waschgang |
| Reinigungszwecke | ca. 5–10 Liter |
Im deutschen Durchschnittshaushalt liegt der Trinkwasserverbrauch bei ca. 120 Litern pro Person und Tag. Davon können bis zu 50 % durch Regenwasser ersetzt werden, wenn Toilette und Waschmaschine angeschlossen werden.
Formel: Tagesverbrauch berechnen
Regenwasserbedarf pro Tag = Anzahl Personen × Verbrauch je Nutzung × geplante NutzungenRechenbeispiel für ein 4-Personen-Haushalt:
- Toilette: 4 Personen × 35 Liter = 140 Liter/Tag
- Waschmaschine: 2 Waschgänge à 12 Liter = 24 Liter/Tag (Durchschnitt)
- Garten (Mai–September): 30 Liter/Tag = 30 Liter/Tag (Saisonschnitt)
Gesamt: ca. 194 Liter/Tag → für die Berechnung sinnvoll auf ca. 200 Liter/Tag runden
Regenwassertank-Größenrechner
Tankgrößen-Rechner
Berechne die optimale Größe deines Regenwassertanks für dein Zuhause.
Dein Haushalt
Nutzungsarten
Richtwert inkl. 15 % Sicherheitspuffer. Für Innenanwendungen (Toilette + Waschmaschine) empfehlen wir mindestens 3.000–5.000 L, für Garten zusätzlich 2.000–4.000 L.
3. Schritt 2: Das Regenwasserangebot deines Daches berechnen
Die theoretisch nutzbare Regenwassermenge hängt von drei Größen ab:
Formel: Nutzbare Regenwassermenge pro Jahr
Nutzbare Regenwassermenge (Liter/Jahr) = Niederschlagsmenge (mm/Jahr) × Dachfläche (m²) × AbflussbeiwertDie einzelnen Faktoren im Überblick:
Niederschlagsmenge: Diese variiert in Deutschland erheblich. Im Mittel liegen die meisten Regionen zwischen 550 und 900 mm/Jahr. Norddeutschland liegt häufig bei 650–750 mm, der Alpenraum kann über 1.200 mm erreichen. Deine exakten Werte findest du beim Deutschen Wetterdienst (DWD) für deine Postleitzahl.
Dachfläche: Gemeint ist die horizontale Grundfläche des Dachs (Draufsicht), nicht die tatsächliche Schrägfläche. Bei einem Satteldach mit 10 × 12 m Grundriss beträgt die effektive Dachfläche 120 m².
Abflussbeiwert: Nicht der gesamte Regen landet im Tank – ein Teil verdunstet, ein Teil bleibt am Dach haften. Der Abflussbeiwert berücksichtigt diese Verluste:
| Dachmaterial | Abflussbeiwert |
|---|---|
| Ziegel, Beton, Schiefer | 0,8 |
| Metall (verzinkt, Kupfer) | 0,9 |
| Gründach (extensiv) | 0,3–0,5 |
| Kunststoff-/Bitumenbahn | 0,85 |
Rechenbeispiel:
- Niederschlag: 700 mm/Jahr
- Dachfläche: 120 m²
- Abflussbeiwert: 0,8 (Ziegeldach)
700 × 120 × 0,8 = 67.200 Liter/Jahr → ca. 67 m³/JahrDas entspricht etwa 184 Litern pro Tag im Jahresdurchschnitt – passt gut zu unserem Bedarfsbeispiel von 200 Litern/Tag.
Regenwasserangebot-Rechner für Dachflächen
Dachflächen-Rechner
Wie viel Regenwasser kann dein Dach pro Jahr sammeln?
Dachfläche
Niederschlag in deiner Region
Der Abflussbeiwert berücksichtigt Verdunstung und Benetzungsverluste. Der Filterverlust geht zusätzlich ab. Bei Satteldächern gilt die horizontale Grundfläche (Draufsicht).
4. Schritt 3: Die optimale Tankgröße ermitteln
Die Überbrückungszeit als entscheidender Faktor
Die reine Jahresdurchschnittsmethode reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie viele Tage Trockenheit dein Tank überbrücken soll. In Deutschland gibt es typischerweise Trockenperioden von 2–6 Wochen im Sommer.
Faustformel für den Privathaushat:
Tankgröße (Liter) = Tagesbedarf × Überbrückungstage + Sicherheitspuffer (10–20 %)Rechenbeispiel:
- Tagesbedarf: 200 Liter
- Gewünschte Überbrückung: 21 Tage (3 Wochen)
- Sicherheitspuffer: 15 %
200 × 21 = 4.200 Liter × 1,15 = 4.830 Liter → Tank mit 5.000 Liter empfehlenswertKostenersparnis-Rechner für Regenwassernutzung
Kostenersparnis-Rechner
Wie viel Geld sparst du pro Jahr durch Regenwassernutzung?
Dein Wasserverbrauch
Geplante Regenwassernutzung
Durchschnittlicher Wasserpreis Deutschland 2024: ca. 2,10 €/m³. Abwassergebühr variiert stark je Gemeinde (1,50–4,50 €/m³). Gartenwasser zählt in den meisten Kommunen nicht als Abwasser.
Die Methode des jährlichen Wassergleichgewichts (genauere Variante)
Für eine präzisere Berechnung kannst du Angebot und Bedarf ins Verhältnis setzen:
Ideale Tankgröße = (Jahresbedarf / 365) × ÜberbrückungstageDabei gilt: Wenn das jährliche Regenwasserangebot kleiner als der Jahresbedarf ist, ist der begrenzende Faktor das Angebot – du kannst dann den Tank nicht weiter vergrößern als das verfügbare Wasser erlaubt.
Amortisationsrechner für Regenwassernutzungsanlagen
Amortisations-Rechner
Ab wann hat sich deine Regenwasseranlage finanziell bezahlt gemacht?
Investitionskosten
Jährliche Ersparnis
Kombinierter Wasserpreis = Trinkwasserpreis + Abwassergebühr (Ø Deutschland 2024: ca. 4,60 €/m³). Wartung inkl. Filterwechsel, Reinigung. Stromkosten für Pumpe je nach Anlage 20–80 €/Jahr.
5. Praktische Richtwerte für häufige Anwendungsfälle
Damit du eine schnelle Orientierung bekommst, hier typische Empfehlungen aus der Praxis:
| Anwendungsfall | Empfohlene Tankgröße |
|---|---|
| Gartenbewässerung (kleiner Garten, 1–2 Personen) | 1.000–2.500 Liter |
| Gartenbewässerung (großer Garten, Gemüsebeet) | 2.500–5.000 Liter |
| Toilette + Waschmaschine (4-Personen-Haushalt) | 4.000–6.000 Liter |
| Vollversorgung Haushalt (Garten + Innenbereich) | 6.000–10.000 Liter |
| Landwirtschaftliche Nutzung / Gewerbeobjekte | ab 10.000 Liter, individuell |
6. Häufige Fehler bei der Berechnung – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Nur den Jahresdurchschnitt betrachten
Die Niederschlagsverteilung ist ungleichmäßig. Der Sommer ist oft deutlich trockener als der Winter – genau dann, wenn der Gartenbedarf am höchsten ist. Plane daher mit der trockensten Periode, nicht dem Jahresmittel.
Fehler 2: Die Dachfläche überschätzen
Nur die Fläche, die über eine Regenrinne am Tank angeschlossen ist, zählt. Wer nur eine Dachhälfte anschließt, hat auch nur die halbe Fläche.
Fehler 3: Den Filter-Verlust vergessen
Moderne Regenwasserfilter (z. B. Schwimmfilter oder Zulauffilter) halten Schmutzpartikel zurück – dabei gehen nochmals 5–10 % des Wassers verloren. Rechne diesen Verlust mit ein.
Fehler 4: Zu kleinen Puffer einplanen
Der Klimawandel verlängert Trockenperioden. Wer heute plant, sollte eher 4–6 Wochen Überbrückung einplanen, nicht 2 Wochen.
7. Online-Rechner und weiterführende Hilfe
Neben der manuellen Berechnung gibt es nützliche Hilfsmittel:
- DWD (Deutscher Wetterdienst): Niederschlagsdaten für deine Region unter dwd.de
- ZVSHK-Planungshilfe: Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima bietet Dimensionierungsempfehlungen nach DIN 1989
- Herstellerrechner: Viele Anbieter wie Graf, Rewatec oder 4rain bieten kostenlose Online-Konfiguratoren an
Für größere Anlagen oder komplexe Situationen (mehrere Dachflächen, gewerbliche Nutzung, Brauchwasseranlage mit Trinkwassernachspeisung) empfiehlt sich die Beratung durch einen Fachbetrieb für Sanitär- und Regenwassertechnik.
Fazit: Rechnen lohnt sich – und ist einfacher als gedacht
Die Berechnung der richtigen Tankgröße ist kein Hexenwerk. Mit den Faktoren Tagesbedarf, Dachfläche, lokale Niederschlagsmenge und gewünschte Überbrückungszeit kommst du zu einem soliden Ergebnis. Für die meisten Einfamilienhäuser liegt die optimale Tankgröße zwischen 3.000 und 7.500 Litern – wer auch den Garten im Sommer versorgen möchte, tendiert eher zur oberen Grenze.
Eine gut dimensionierte Anlage amortisiert sich in der Regel innerhalb von 10–15 Jahren und schont dauerhaft sowohl die Ressource Trinkwasser als auch deinen Geldbeutel.
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