Regenwassertank: Der vollständige Ratgeber für Größe, Kosten, Material und Installation

Wer Regenwasser sammeln und nutzen möchte, kommt an einer zentralen Frage nicht vorbei: Welcher Regenwassertank ist der richtige? Die Antwort hängt von mehr ab als nur dem Budget – Grundstücksgröße, Dachfläche, geplante Nutzung und regionale Niederschlagsmengen entscheiden darüber, ob sich eine 1.000-Liter-Tonne oder eine 6.000-Liter-Zisterne lohnt. Dieser Ratgeber zeigt nicht nur, welche Tank-Arten es gibt, sondern auch, wie du die passende Größe berechnest, mit welchen Kosten du realistisch rechnen musst und welche Fehler bei Installation und Pflege am häufigsten gemacht werden.

Warum überhaupt ein Regenwassertank? Die Zahlen im Überblick

Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht in Deutschland im Schnitt rund 460 Liter Trinkwasser pro Tag – etwa 120 Liter pro Person. Davon entfallen je nach Haushalt 30 bis 40 % auf Bereiche, die problemlos mit Regenwasser statt Trinkwasser abgedeckt werden können: Gartenbewässerung, Toilettenspülung und Waschmaschine. Bei einem Wasserpreis (inklusive Abwassergebühr) von durchschnittlich 4 bis 6 Euro pro Kubikmeter ergibt das bei vollständiger Nutzung Einsparungen von 150 bis 300 Euro pro Jahr – bei größeren Gärten oder Gewächshausnutzung auch deutlich mehr.

Hinzu kommt ein ökologischer Effekt, der oft unterschätzt wird: Jeder Liter Regenwasser, der gesammelt statt versickert wird, entlastet bei Starkregen die Kanalisation und reduziert das Risiko lokaler Überschwemmungen. In vielen Kommunen wird das inzwischen über reduzierte Niederschlagswassergebühren honoriert – ein Punkt, der sich direkt auf die Amortisationszeit auswirkt und den wir weiter unten im Artikel zu den Abwassergebühren genauer erklären.

Die richtige Tankgröße: So rechnest du sie selbst aus

Die häufigste Fehlentscheidung beim Kauf eines Regenwassertanks ist eine falsch dimensionierte Größe – entweder zu klein, sodass der Tank in trockenen Phasen schnell leer ist, oder unnötig groß und damit teurer als nötig. Zwei Faktoren bestimmen die ideale Größe:

1. Das Wasserdargebot (wie viel Regen kannst du sammeln?) Die Formel lautet: Dachfläche (in m², projizierte Grundfläche, nicht die schräge Dachfläche) × jährlicher Niederschlag am Standort (in Litern pro m², in Deutschland meist zwischen 600 und 900 l/m²) × Abflussbeiwert des Dachmaterials (bei Ziegeldächern etwa 0,8–0,9). Ein Haus mit 120 m² Dachfläche in einer Region mit 750 l/m² Jahresniederschlag sammelt also theoretisch rund 81.000 Liter im Jahr – mehr als genug für die meisten Anwendungen.

2. Der Bedarf (wie viel Wasser verbrauchst du tatsächlich?) Für die Gartenbewässerung gilt als Faustregel: 1 m² Beet oder Rasen benötigt in der Vegetationsperiode etwa 60 bis 100 Liter Zusatzwasser. Bei 100 m² Gartenfläche sind das 6.000 bis 10.000 Liter pro Saison. Für Toilettenspülung und Waschmaschine kommen bei einem Vier-Personen-Haushalt nochmal rund 15.000 bis 20.000 Liter pro Jahr hinzu.

Als grobe Orientierung haben sich folgende Tankgrößen in der Praxis bewährt:

  • Reine Gartenbewässerung, kleiner Garten (bis 50 m²): 1.000–3.000 Liter
  • Gartenbewässerung, mittlerer bis großer Garten: 3.000–6.000 Liter
  • Garten plus Hausanschluss (Toilette/Waschmaschine), Einfamilienhaus: 4.000–6.000 Liter
  • Mehrfamilienhaus oder intensive Nutzung (Gewächshaus, große Rasenflächen): ab 6.000 Liter
💧 Interaktiver Rechner

Welche Tankgröße brauchst du?

Gib deine Dachfläche, Region und geplante Nutzung ein – der Rechner zeigt dir, wie viel Regenwasser du sammeln kannst und welche Tankgröße realistisch zu deinem Bedarf passt.

100

Länge × Breite des Hauses von oben gesehen, nicht die schräge Dachfläche.

80
Personen im Haushalt
4
Empfohlene Tankgröße
5.000 Liter

Damit deckst du Garten- und Hausbedarf zuverlässig ab, ohne stark zu überdimensionieren.

Dein Bedarf / Jahr
Sammelpotenzial / Jahr
18.000 L
Geschätzter Jahresbedarf
61.875 L
Sammelbares Regenwasser/Jahr

Die Berechnung ist eine Orientierungshilfe auf Basis durchschnittlicher Verbrauchs- und Niederschlagswerte (Abflussbeiwert 0,85). Für eine exakte Planung empfehlen wir zusätzlich unseren Ratgeber zur Tankgrößen-Berechnung.

Arten von Regenwassertanks im Vergleich

Unterirdischer Regenwassertank am Haus – Zeigt ein modernes Haus mit einem unterirdischen Regenwassertank und der Verbindung zur Dachrinne.

Unterirdische Tanks (Zisternen)

Unterirdische Tanks werden vollständig im Erdreich versenkt und sind von außen nicht sichtbar. Sie bestehen meist aus Polyethylen, Beton oder glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und fassen typischerweise zwischen 2.000 und 10.000 Litern.

Der größte praktische Vorteil liegt in der konstanten Wassertemperatur: Da die Erde im Bereich von einem Meter Tiefe ganzjährig relativ konstante Temperaturen zwischen 8 und 12 °C hält, bleibt das Wasser kühl und dunkel – ideale Bedingungen, um Algenbildung und Keimwachstum zu verhindern. Das ist ein Grund, warum unterirdische Anlagen für die Hausnutzung (Toilette, Waschmaschine) oft die bessere Wahl sind als oberirdische Tanks.

Der Nachteil: Die Installation erfordert einen Erdaushub, oft mit Bagger, sowie eine fachgerechte Verlegung der Zu- und Ableitungen unterhalb der Frostgrenze (in Deutschland je nach Region 80–120 cm Tiefe). Rechne hier mit Erdarbeiten als zusätzlichem Kostenfaktor, der schnell mehrere hundert bis über tausend Euro ausmachen kann, abhängig von Bodenbeschaffenheit und Zugänglichkeit des Grundstücks.

Oberirdische Tanks

Oberirdische Tanks – von der klassischen Regentonne bis zum 1.000-Liter-IBC-Container – lassen sich ohne Erdarbeiten aufstellen und sind die günstigste, am schnellsten realisierbare Lösung. Für reine Gartenbewässerung reichen sie in der Regel völlig aus.

Wichtig in der Praxis: Oberirdische Tanks müssen vor dem ersten Frost geleert oder zumindest entleert und der Wasserhahn geöffnet werden, da gefrierendes Wasser den Tank sprengen kann. Eine frostfreie Lagerung oder eine isolierte Tankhülle verlängert die Lebensdauer erheblich. Wer den Tank ganzjährig nutzen möchte (etwa für die Toilettenspülung), sollte ihn entweder frostsicher in einem Kellerraum aufstellen oder auf eine unterirdische Lösung ausweichen.

Flexible Tanks (Wassersäcke)

Flexible Tanks aus reißfestem PVC- oder PE-Gewebe passen sich räumlich beengten Situationen an, etwa unter Terrassen, in Kriechkellern oder Hohlräumen unter der Garageneinfahrt. Sie sind deutlich günstiger als feste Tanks gleicher Größe, haben aber eine begrenzte Lebensdauer von typischerweise 10 bis 15 Jahren (gegenüber 20–30+ Jahren bei PE- oder Betontanks) und sollten beim Befüllen und Entleeren vorsichtig behandelt werden, um die Gewebenähte nicht zu beschädigen.

Materialvergleich: Welches Tankmaterial passt zu welchem Einsatz?

MaterialTypische LebensdauerPreisniveauBesonders geeignet für
Polyethylen (PE)20–25 Jahreniedrig–mittelober- und unterirdisch, Standardlösung
Beton30+ Jahrehochunterirdisch, zusätzlicher Vorteil: neutralisiert leicht sauren pH-Wert von Regenwasser
Edelstahl25–30 Jahrehochoberirdisch, optisch hochwertig, wartungsarm
GFK20–30 Jahremittel–hochunterirdisch, sehr stabil bei geringem Gewicht

Ein oft übersehener Vorteil von Betontanks: Regenwasser ist von Natur aus leicht sauer (pH-Wert um 5,5–6,5). Der Kalkanteil im Beton puffert diese Säure leicht ab, was besonders bei der Verwendung für Waschmaschine und Hausinstallation Materialschäden an Rohren langfristig vorbeugen kann – ein Detail, das in vielen Vergleichsartikeln fehlt, aber für die Praxis relevant ist.

Installation: Die Schritte, auf die es wirklich ankommt

Flexible Regenwassertanks unter einer Terrasse – Zeigt platzsparende, flexible Tanks, die unter einer Terrasse installiert sind und an eine Wasserleitung angeschlossen sind.

Standortwahl

Bei unterirdischen Tanks ist neben der Statik des Bodens auch der Grundwasserspiegel entscheidend: Liegt das Grundwasser hoch, kann ein leerer Tank durch Auftrieb buchstäblich aus dem Boden gedrückt werden. In solchen Fällen sind Tanks mit zusätzlicher Auftriebssicherung (Erdankerung oder Betonplatte als Gegengewicht) notwendig – das solltest du unbedingt vor dem Kauf mit dem Anbieter klären.

Filtersystem

Ein Filter zwischen Dachrinne und Tank ist keine Option, sondern Pflicht für die Wasserqualität. Selbstreinigende Wirbelfilter haben sich in der Praxis bewährt, da sie automatisch ca. 90–95 % der Grobpartikel ausschleusen, ohne dass man sie manuell reinigen muss – das spart vor allem bei unterirdischen Anlagen erheblichen Wartungsaufwand, da der Filterzugang sonst aufwendig ist.

Pumpentechnik

Für reine Gartenbewässerung genügt häufig eine einfache Tauchpumpe mit Schwimmerschalter, die automatisch abschaltet, bevor der Tank leerläuft (Trockenlaufschutz – unbedingt darauf achten, da sonst die Pumpe beschädigt wird). Soll das Wasser auch im Haus genutzt werden, braucht es eine Hauswasserwerk-Lösung mit Druckschalter, die bei Bedarf automatisch zwischen Regenwasser und Trinkwassernachspeisung umschaltet, falls der Tank leer ist. Diese Umschaltautomatik ist gesetzlich vorgeschrieben (DIN 1989), da eine direkte Verbindung von Regenwasser- und Trinkwassernetz ohne Schutzeinrichtung nicht zulässig ist.

Wartung: Was wirklich notwendig ist – und was nicht

Viele Ratgeber überzeichnen den Wartungsaufwand. In der Praxis reicht bei einem gut dimensionierten System mit Vorfilter Folgendes:

  • Jährlich: Filter reinigen oder reinigen lassen, Sichtprüfung der Dichtungen und Leitungen
  • Alle 2–3 Jahre: Bodenschlamm im Tank absaugen (bei unterirdischen Anlagen meist per Saugwagen, Kosten ca. 80–150 Euro)
  • Bei Bedarf: Pumpe auf Verschleißteile prüfen (Laufrad, Dichtungen), besonders nach längerer Standzeit über Winter

Ein häufiger Fehler: Komplett luftdicht verschlossene Tanks fördern anaerobe (sauerstofffreie) Fäulnisprozesse und unangenehmen Geruch. Eine kleine, insektensichere Be- und Entlüftung ist daher wichtig und in den meisten Fertigtanks bereits vorgesehen.

Rechtliche Aspekte: Anmeldung, Förderung, Hygiene

In Deutschland ist die Installation einer Regenwassernutzungsanlage grundsätzlich genehmigungsfrei, muss aber beim örtlichen Wasserversorger angemeldet werden, sobald Regenwasser auch im Haus (Toilette, Waschmaschine) genutzt wird – da hierfür eine geeichte Zwischenzähleranlage zur korrekten Abwassergebührenberechnung vorgeschrieben sein kann. Die Leitungen müssen zudem klar als "Kein Trinkwasser" gekennzeichnet sein (DIN 1988/1989).

Bei Förderprogrammen lohnt sich ein Blick auf die jeweilige Kommune: Viele Städte und Gemeinden bezuschussen die Installation von Zisternen mit Beträgen zwischen 500 und 1.500 Euro, insbesondere wenn die Anlage zur Entlastung der Kanalisation bei Starkregen beiträgt. Diese Förderungen ändern sich regelmäßig – eine aktuelle Anfrage beim zuständigen Bauamt oder Stadtwerk vor dem Kauf ist daher sinnvoll.

Gartenbewässerung mit Regenwasser – Ein oberirdischer Regenwassertank mit angeschlossener Pumpe, die Wasser zu einem blühenden Garten leitet.

Häufig gestellte Fragen zum Regenwassertank

Wie groß sollte ein Regenwassertank für ein Einfamilienhaus mit Garten sein? Für ein Einfamilienhaus mit durchschnittlichem Garten (bis 150 m²) und reiner Gartenbewässerung sind 3.000 bis 5.000 Liter meist ausreichend. Soll auch die Toilette versorgt werden, empfehlen sich 5.000 bis 6.000 Liter.

Was kostet ein Regenwassertank inklusive Installation? Oberirdische Tanks gibt es bereits ab 100 bis 300 Euro für kleinere Größen. Unterirdische Komplettanlagen inklusive Erdarbeiten, Filter und Pumpentechnik liegen meist zwischen 2.500 und 6.000 Euro, abhängig von Größe und Bodenbeschaffenheit. Eine ausführliche Kostenaufstellung findest du in unserem Kosten-Ratgeber.

Kann Regenwasser im Tank verkeimen? Bei korrekter Filterung, lichtgeschütztem Tank und regelmäßiger Wartung bleibt die Wasserqualität für die vorgesehenen Nutzungen (Garten, Toilette, Waschmaschine) unbedenklich. Für die Trinkwassernutzung ist Regenwasser ohne aufwendige Aufbereitung nicht geeignet. Mehr Details dazu in unserem Artikel zur hygienischen Qualität von Regenwasser.

Wie lange dauert es, bis sich ein Regenwassertank amortisiert? Je nach Tankgröße, regionalem Wasserpreis und Nutzungsintensität liegt die Amortisationszeit meist zwischen 5 und 12 Jahren. Bei verfügbarer kommunaler Förderung verkürzt sich dieser Zeitraum oft deutlich.

Fazit

Ein Regenwassertank lohnt sich für die meisten Haushalte – vorausgesetzt, Größe und Tanktyp passen zum tatsächlichen Bedarf. Wer nur den Garten bewässern möchte, fährt mit einem oberirdischen 1.000- bis 3.000-Liter-Tank kostengünstig und unkompliziert gut. Wer langfristig auch Toilette und Waschmaschine versorgen will, sollte in eine unterirdische Zisterne mit 5.000 bis 6.000 Litern, Filtersystem und Hauswasserwerk investieren. Die wichtigste Erkenntnis aus der Praxis: Eine realistische Bedarfsberechnung vor dem Kauf erspart sowohl unnötige Kosten durch Überdimensionierung als auch Frust durch einen zu klein geratenen Tank.